Reisebericht Madeira - Eine Woche Wandern im Dezember

Warum Madeira im Dezember?!?

Naja, das Wetter zu Hause war kalt und trist, das Fernweh wie immer groß und ich hatte genug Überstunden um mir eine Woche freizunehmen. Also hab ich angefangen das Internet nach günstigen Angeboten zu durchforsten. Mein Reiseziel sollte nicht zu weit weg sein, aber dann doch weit genug damit das Wetter deutlich besser und vor allem wärmer ist.

 

Im Internet hab ich dann ein Super-Schnäppchen-Angebot für Madeira, Flug & Hotel für 250 € für 5 Tage gefunden. Aber immer wenn ich solche Angebote entdecke denke ich mir „das findest du doch noch günstiger...“ Nach weiteren Recherchen und Preisvergleichen hab ich dann für Flug, Hotel & Mietwagen (alles einzeln gebucht) insgesamt 180 € gezahlt, für 8 Tage! Hammer... vom 11. - 18. Dezember 2014 ging`s auf die Insel. In der einen Woche wollte ich viel Wandern, viel und gut Essen (und Trinken) und einfach ein bisschen die Seele baumeln lassen und Sonne genießen. Und hey, und so ein Weihnachtsmarkt bei 20°C und heißem Poncha hat auch was :)

 

Mein Hotel (Euro Moniz) war in Porto Moniz, ganz im Nordwesten der Insel. Bekannt ist das kleine Örtchen für die natürlichen Lavapools die vom Meer mit frischem Wasser gespeist werden. Im Winter ist es hier etwas verschlafen, es haben nicht alle Restaurants und Shops geöffnet, aber das hat mich nicht gestört. Das Hotel war echt in Ordnung, mein Zimmer war groß genug und sauber, ich hatte sogar einen Balkon mit Blick auf`s Meer. Wirklich super fand ich dass die wenigen Gäste die zu der Zeit da waren auf weit voneinander entfernte Zimmer verteilt wurden, so dass niemand einen nervigen Zimmernachbarn hatte. Echt mal mitgedacht von der Hotelleitung!

Es gibt im Hotel noch eine Tiefgarage in der man ohne Zusatzkosten parken kann und einen kleinen Wellness-Bereich mit Pool, Sauna und Blubber-Becken, Massagen können gebucht werden. Frühstück hatte ich auch inklusive, es gab immer genug Auswahl und das Essen war frisch. Super fand ich das man sich beim Frühstück Lunch-Pakete bestellen kann. Ein großes für 5 € (mit zwei belegten Semmeln, einem kleinen Saft, einer Süßigkeit und 2x Obst) und ein Kleineres für 3 €. Hab das auch ein paar mal genutzt, da es zum Wandern super ist wenn man unterwegs nirgends vorbei kommt.

Bild: Madeira Wetter
Wetter auf der Paul da Serra Hochebene, kurz Sonne bevor es wieder angefangen hat zu regnen.

Das Wetter auf Madeira

Zum Wandern ist Madeira auch im Winter ideal, das Wetter ist nicht zu heiß, ich hatte immer so um die 20°. Nur das Meer ist um die Jahreszeit etwas zu kalt zum Baden... also zumindest für mich... Was allerdings im Winter passieren kann ist dass es in den Bergen in der Mitte der Insel ständig regnet. So war es auch bei mir. Jetzt ist die Insel wirklich nicht groß (ca. 50 km lang und 20 km breit) aber das Wetter kann in den verschiedenen Teilen der Insel extrem unterschiedlich sein. An der Nordküste war es bei mir meistens etwas regnerisch aber warm, in den Bergen immer regnerisch und kalt und an der Südküste war immer schönster Sonnenschein und wolkenloser Himmel, echt ein Phänomen aber typisch für Madeira. Oft kann man beobachten wie sich die Wolken an der Nordküste aufstauen, über die Berge streifen und sich auf dem Weg hinunter zur Südküste einfach auflösen. Das ist auch echt schön anzuschauen, aber wer speziell in den Bergen wandern möchte sollte doch eher in den Sommermonaten hierher kommen. Ich hab mehrmals einen Anlauf versucht, weil es in den Bergen eigentlich die schönsten Wanderungen gibt (also für mich zumindest) aber immer was es eiskalt mit starkem Wind und Regen... Aber naja, muss ich halt wieder kommen.


Bild: Madeira Straße Nordküste
Ohne Witz, ich steh hier grad mitten auf der alten Straße an der Nordküste und neben mir ist ein Wasserfall der das Grünzeug hier anspült...

 

 

Die Straßen auf der Insel

Die Straßen auf Madeira haben ja eher einen schlechten Ruf. Das kann ich aber überhaupt nicht bestätigen. Früher war das vielleicht so, aber in den letzten Jahren hat die Insel wirklich viel Geld in das Straßennetz investiert. So wurden viele Schnellstraßen und Tunnel gebaut, gerade auch um den früher schwer zugänglichen Norden einfacher und schneller zu erreichen. Auch die berüchtigte Nordküsten-Straße wurde extrem ausgebaut und verbessert, außer ein Stück zwischen São Vicente und Santana, da muss man noch etwas mehr Zeit einplanen. Aber gerade die Straße ist ein echte Erlebnis, ich fand es schön sie zu fahren, es empfiehlt sich ein Kleinwagen ;) Teile der alten Nordküstenstraße kann man noch zu Fuss erkunden, allerdings auf eigene Gefahr, da hier nicht mehr repariert wird und vor allem Steinschlag droht (mehr dazu findet ihr bei den

→ Sehenswürdigkeiten). Ansonsten kommt man mit dem Auto wirklich super voran, von Funchal bis nach Porto Moniz bin ich nur ca. 50 Minuten gefahren, da auch ein neuer Tunnel unter dem Encumeada-Pass hindurch führt.


Bild: Madeira Levada Wanderung
Ob schon mal Leute auf die Idee gekommen sind mit einem Schwimmring zurück ins Tal zu kommen?

Wander auf Madeira – Die Levadas

Das Wort Levada hab ich noch nie zuvor gehört, ich hatte keine Ahnung was es damit auf sich hat und wusste nur dass es irgendwie mit ein paar schönen Wanderungen auf Madeira zusammen hängt...

Aber Levadas sind offene und künstlich angelegte Wasserleitungen! Im Gegensatz zu den regnerischen Bergen ist es an den Küsten Madeiras oft recht trocken. Um aber trotzdem Felder an den Küsten bewässern zu können (Zuckerrohr z.B.) zapft man Gebirgsbäche die etwas höher liegen und leitet das Wasser in einer Levada ins Tal zu den Felder. Um diese Wasserleitungen zu warten und zu reinigen befindet sich auch immer ein kleiner Weg neben der Levada. So kann man von der Küste aus Kilometerweit in die Berge wandern, immer am Wasser entlang. Der Weg hat dabei nur eine ganz leichte Steigung (merkt man gar nicht beim Laufen), damit das Wasser gleichmäßig fließt. Aber um eben diese Steigung gleichmäßig zu halten wurden die Wasserleitungen auch durch Berge hindurch gebaut, so dass man beim Wandern schon mal durch einen niedrigen und engen Tunnel durchmuss. Toll! Adventure – Wandern! Ich mag so was... In einer Schlucht prasseln dann auch schon mal der ein Wasserfall auf den Weg oder führt an einer ziemlich abschüssigen Stelle vorbei. Aber die Wege sind größtenteils sicher und wirklich gut und einfach zu gehen. Hier kann ich den Rother Wanderführer Madeira empfehlen, vor Ort kann man aber auch in den Touri-Infos nachfragen und bekommt auch Kartenmaterial zu verschiedenen Wegen bzw. Infos zu Sperrungen oder Schwierigkeitsgrad einer Wanderung. Mehr Infos zu den einzelnen Wanderungen findet ihr hier Wanderungen).


Bild: Madeira Obst
Keine Ahnung was das ist, sieht man aber öfter hier wachsen

Typisch Madeira

Die Insel ist ja bekannt für ihre immergrüne Vegetation. Allerlei Blumen und Obst wachsen hier wie Unkraut am Straßenrand. Wandert man z.B. an den Levadas entlang steht man auf einmal vor einem riesigen Gestrüpp mit reifen Maracujas, Papayas oder Feigen (ja auch im Dezember!). Die allerschönsten Blumen die man bei uns teuer im Garten-Center kaufen muss wachsen hier überall.

Aber nochmal zurück zum Obst. Ich war auf einem kleinen Wochenmarkt in Santana (immer Sonntags), wo Bauern ihre Erträge zum Kauf anbieten, bei den meisten Ständen kann man auch probieren. Und da ich im Urlaub ja immer was Neues probieren muss hab ich mich für den Kauf einer "Tomate Ingles" (Tomarillo) und einer sogenannten "Ananas-Banane" entschieden. Die Tomate Ingles sieht Außen wie Innen wirklich aus wie eine Tomate, laut Verkäuferin kann man die Dinger auch roh essen. Also gesagt getan und einfach mal reingebissen... und direkt wieder ausgespukt. Oh Gott, so was bitteres hab ich noch nie gegessen! Google hat mir später auch gesagt, dass die Schale der Frucht manchmal einen etwas unangenehmen Geschmack aufweisen kann... is klar. Aber jetzt zu meinem Highlight, der Ananas-Banane. Kennt ihr das Fensterblatt? Diese unscheinbare Zimerpflanze die auch ich zu Hause im Wohnzimmer stehen hab? Wusstet ihr das die Pflanze Früchte haben kann die aussehen wie große grüne Tannenzapfen und die angeblich wie eine Mischung aus Ananans und Banane schmecken sollen?!? Ich nicht... man lernt nie aus. Auf dem Weg zurück ins Hotel hab ich ein bisschen von dem Ding genascht und schnell gemerkt, dass mein Hals irgendwie immer mehr kratzt und weh tut. Also wieder gegoogelt und festgestellt, dass unreife Früchte einen schleimhautreizenden, ja fast giftigen Inhaltsstoff enthalten, der erst durch die Reifung abgebaut wird... Madeira will mich umbringen. Nachdem ich das Ding aber noch zwei Tage im Hotelzimmer hab reifen lassen hat es wirklich ganz angenehm nach Ananas und Banane geschmeckt (-> Ananas-Banane auf Wikipedia). Wenn ihr irgendwas kauft was ihr nicht kennt fragt am besten einen Verkäufer wie man das am Besten isst und wann!

Was noch typisch ist auf Madeira ist der Poncha. Das ist ein Cocktail aus Aguardente (Zuckerrohrschnaps), Orangen - und Zitronensaft und Honig. Klingt eigentlich lecker, war aber echt nicht mein Fall, ich bin leider überhaupt kein Rum und Zuckerrohr-Getränke-Fan... Der Poncha wird aber wirklich überall verkauft und angeboten, sozusagen der Aperol Sprizz auf Madeira. In den Supermärkten kann man kleine und große Flaschen in verschiedenen Geschmacksrichtungen kaufen, z.B. auch mit Maracuja, ist ein schönes Mitbringsel.

Was ich aber wirklich sagenhaft lecker fand und auch reichlich gegessen hab ist der Bolo de Mel! Das ist ein süßer und knatschiger Honigkuchen mit Anis, Nelken, Zimt und Pfeffer. Den kann man auch überall kaufen, im Supermarkt gibt es ihn in Folie eingeschweißt, so dass man ihn nach Hause mitnehmen kann.


Bild: Madeira Karte
Hier mal die wichtigsten Orte und Straßen auf Madeira

Tag 01:    Nachmittags Ankunft am Flughafen. Mit dem Mietwagen nach Porto Moniz zum Hotel. Abends noch ein bisschen durch den Ort gelaufen und   

                 Lavapools besichtigt.

 

Tag 02:    Wanderung entlang der Levada do Ribeira da Janela, anschließen Fahrt nach São Vicente und Besichtigung der Lavahöhlen.

 

Tag 03:    Fahrt auf die Hochebene Paul da Serra, aber Wetter zu schlecht zum Wandern also weiter nach Calheta und Besichtigung der Zuckerrohrfabrik.

                 Danach kurzer Stop in Ponta do Sol um am Strand in der Sonne zu liegen, anschließend weiter zur Aussichtsplattform auf dem Cabo Girão.

                 Fahrt auf den Encumeada-Pass, aber Wetter immer noch zu schlecht zum Wandern also wieder runter nach São Vicente. Kurze Stopps an der

                 alten Nordküstenstraße um diese ein Stück entlang zu wandern. Auf dem Weg zurück nach Porto Moniz noch Stopp am Wasserfall Véu da

                 Noiva.

 

Tag 04:    Fahrt entlang der Nordküste, kurzer Stopp in São Jorge beim Aussichtspunkt. Weiter nach Santana zum Wochenmarkt und anschließend

                 Wanderung auf der Ponta de São Lourenço.

 

Tag 05:    Fahrt ins Curral das Freiras zum Aussichtspunkt Eira Do Serrado. Anschließend weiter nach Funchal mit Stopp am Aussichtspunkt Pico dos

                 Barcelos. In Funchal mit der Seilbahn auf den Berg Monte. Dort Besichtigung des Monte Palace Tropical Garden und der Kirche Nossa Senhora.

                 Danach wieder runter mit der Seilbahn und noch ein bisschen durch die Altstadt von Funchal gebummelt, Besuch des Weihnachtsmarkts.

 

Tag 06:    Fahrt auf die Hochebene nach Rabacal, aber Wetter wieder zu schlecht zum Wandern. Also runter nach Ponta do Sol und Wanderung entlang der

                 Levada Nova und Levada Moinho. Anschließend zum Sonnenuntergang zum Leuchtturm von Ponta do Pargo.

 

Tag 07:    Fahrt entlang der Nordküste nach São Jorge und Wanderung entlang der Levada do Rei. Aber Umkehr nach einer Stunde da es stark angefangen

                 hat zu regnen. Fahrt nach Ribeiro Frio und kurze Wanderung zum Aussichtspunkt Balcoes. Anschließend weiter nach Funchal und Bummel

                 durch die Altstadt.

 

Tag 08:    Fahrt zum Flughafen, Rückgabe Mietwagen und ab nach Hause

Bild: Flughafen Madeira
Sogar am Flughafen wachsen Blumen...

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