Reisebericht Madeira - Die schönsten Wanderungen

Levada Ribeira da Janela - Levada do Rei - Ponta de São Lourenço - Die Balcões von Ribeiro Frio - Levada Nova & Levada Moinho im Ribeira da Ponta do Sol

Wandern ist auf Madeira absolute Pflicht. Ich glaube niemand kommt auf die Insel nur um Strandurlaub zu machen, und bei den vielen verschiedenen Wander-Möglichkeiten wäre es wirklich schade drum. Am bekanntesten sind natürlich die Levada-Wanderungen entlang der Wasserläufe durch die grünen Täler der Insel, aber auch die Berge und Küsten haben einiges zu bieten. Vom tiefsten grünen Dschungel bis hin zu kargen und windigen Langzungen lassen sich hier viele Klimazonen erleben.

Bild: Madeira Wandern Karte
Bild: Wasserfall Madeira Levada Ribeira da Janela
Zwischen den beiden Tunneln rauscht der Wasserfall in die Schlucht

Levada Ribeira da Janela

Diese wirklich schöne und abwechslungsreiche Wanderung befindet sich in der Nähe von Porto Moniz im Nordwesten der Insel. Immer am Wasser entlang geht es durch zwei lange Tunnel und einem Wasserfall vorbei bis zu einem Wasserhäuschen mit toller Aussicht ins Tal.

Um zum Startpunkt zu kommen fährt man von Porto Moniz aus mit dem Auto Richtung Paul da Serra die ER 101 den Berg hinauf und folgt der Beschilderung nach Lamaceiros oder Levada Ribeira da Janela. So kommt man nach ca. 3 Kilometern zu einem kleinen Parkplatz an einem Wasserhaus. Hier gibt es einen Picknick-Platz mit Grillmöglichkeit und wirklich herrlicher Aussicht (und Toiletten). Direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite beginnt der Wanderweg.

Man folgt einfach immer dem Wasserlauf, da kann man gar nicht falsch gehen. Kurz nach dem Startpunkt durchquert man zunächst einen Wald aus riesigen Eucalyptus-Bäumen. Über der Levada wachsen hier überall wilde Maracujas. Anschließen werden die Bäume etwas niedriger und es gibt immer wieder tolle Ausblicke ins Tal. An besonders schönen Stellen stehen sogar Picknick-Tische. Im darauf folgenden Lorbeerwald kommt man sich vor wie im Dschungel. Es ist sehr feucht und deutlich dunkler, der Weg wird schmaler und die Bäume sind mit Flechten überzogen und man kommt an einer hohen Felswand vorbei die von oben bis unten komplett mit Farnen und Moosen bewachsen ist. Kurz nach dieser Felswand erreicht man den ersten Tunnel. Eine Taschenlampe ist hier ratsam, da man ca. 10 Minuten braucht um ihn zu durchqueren. Man muss schon aufpassen dass man sich nicht den Kopf stößt, der Tunnel ist recht niedrig, der Weg schmal und uneben und es gibt tiefe und große Pfützen. Bei Gegenverkehr kann es recht eng werden. Hat man ihn aber durchquert steht man mitten in einem grünen Talkessel, in der Mitte donnert ein Wasserfall in die Tiefe. Für mich der schönste Stop auf dieser Wanderung! Die Levada ist hier mit Steinplatten abgedeckt, so dass man auf ihr laufend den Talkessel durchquert. Unter dem Wasserfall wurde ein Wellblechdach angebracht, nass wird man aber trotzdem ein bisschen. Direkt danach geht es durch einen zweiten etwas kürzeren Tunnel weiter bis zu einem Wasserhaus an der Levada. Hier kann man schön Pause machen, den Ausblick genießen und sich das Essen von den Vögeln klauen lassen, die sind hier nicht umsonst so dick... ohne Witz hat mir hier ein dicker Spatz (den ihr auch auf den Fotos seht) im Flug ein Stück aus meiner Semmel gepickt in die ich grad selber reinbeißen wollte. Das dreisteste Federvieh das ich je erlebt hab...

Die meisten Wanderer kehren beim Wasserhäuschen um, man kann aber auch noch weiter bis zur Quelle der Levada laufen. Der Weg soll aber recht schlecht und rutschig sein und es müssen noch mehrere lange und enge Tunnel durchquert werden (der letzte ist ca. 2 Kilometer lang!).

Bis zu dem Häuschen bin ich ca. 4,5 Stunden hin und zurück gelaufen, mit Pause am Wasserhaus und diversen Foto-Stopps. Bis zur Quelle der Levada läuft man laut einem Schild am Startpunk ca. 8 Stunden hin und zurück.

Ich kann die Wanderung sehr empfehlen, mit dem tollen Eucalyptus-Wald, den Tunneln, dem Wasserfall und den vielen schönen Aussichtspunkten ist sie wirklich abwechslungsreich und bietet einen Einblick in die Vegetation Madeiras. Und sie ist zumindest bis zu dem Wasserhäuschen auch wirklich gut zu laufen, es gibt eigentlich keine bemerkbare Steigung.


Levada do Rei

Der Weg entlang der Levada do Rei beginnt an der Wasseraufbereitungsanlage in Quebradas bei São Jorge an der Nordküste Madeiras. Die Anfahrt dorthin ist von der Hauptstraße aus gut ausgeschildert. Man folgt einfach immer den Schildern Richtung Levada oder Water Mill. Nach ca. einem Kilometer findet man den Startpunkt der Wanderung auf der linken Seite (da steht eine Wandertafel), gegenüber kann man sein Auto an einem kleinen Häuschen parken.

Man läuft zunächst über eine kleinere Forststraße zu einem Wasserhaus an dem links die Levada über ein paar Fallstufen vorbei rauscht. Hier startet der eigentliche Weg.

Normalerweise bräuchte man für diese Wanderung ca. 2,5 Stunden hin und zurück, Ziel ist der kleine Bach Ribeiro Bonito der die Levada speist. Aber leider hat es bei mir so geschüttet, dass ich nach einer halben Stunde umgekehrt bin. Von der Wanderung hab ich nicht ein einziges Foto, da ich meine Kamera natürlich im Rucksack unter dem Regenschutz hatte, und das mach ich wirklich nur wenn`s Hart auf Hart kommt...


Bild: Ponta Sao Lorenco Madeira
Ein kleiner Pfad geht vom Hauptweg runter zum Strand

Die Landzunge Ponta de São Lourenço

Eine tolle Wanderung entlang der kargen Landzunge bietet mal eine echte Abwechslung zu den Levada-Wanderungen. Anhand der bizarren Felsformationen entlang der Küste kann man die vulkanische Entstehung der Insel nachvollziehen. Unterwegs hat man immer tolle Ausblicke über Madeira und die Landzunge.

Die Ponta de São Lourenço liegt im Nordosten Madeiras und kann nur über eine Wanderung erkundet werden, eine Straße gibt es hier nicht. Einen Wanderparkplatz erreicht man über die ER-109 von Caniçal aus. Einfach der Beschilderung nach Ponta de São Lourenço oder Baía d' Abra folgen. Am Parkplatz findet man Picknick-Tische und einen Kiosk, der aber wohl nur im Sommer offen hat. Toiletten gibt es nicht (zumindest im Winter). Der Wanderweg beginnt direkt hier am Parkplatz. Man läuft ca. drei Stunden hin und zurück, mit Pausen natürlich länger. Der Weg ist gut ausgebaut und nicht schwierig, es geht immer mal wieder rauf und runter. An ein paar Stellen ist Trittsicherheit nicht schlecht, aber Alles in Allem kein Problem. Kurz vor dem Ende des Wegs findet man in einer Bucht die Casa do Sardinha, das ist ein kleines Häuschen in dem man mit spezieller Genehmigung übernachten kann. Sonst ist das Haus verschlossen, man kann hier aber an den Tischen draußen schön picknicken. Von hier geht auch ein kleiner Weg zu einem Steinstrand am Wasser. Im Sommer also Badesachen mitnehmen! Hinter der Casa do Sardinha geht dann das letzte Wegstück einen Hügel hoch zu einem schönen Aussichtspunkt. Hier auf der Landzunge ist das Wetter meist schön und wolkenlos, selbst wenn der Rest Madeiras im Regen versinkt. So war es auch bei mir. Allerdings hatte ich so starken Wind, dass ich an manchen Stellen mit meinem großen Fotorucksack fast umgeweht worden wäre und auch ein paar mal ein schönes Staub-Peeling im Gesicht hatte... naja, dafür war`s sonnig.


Bild: Balcoes Ribeiro Frio Madeira
Immer noch schön, auch wenn das Wetter nicht so passt...

Die Balcões von Ribeiro Frio

Also eine Richtige Wanderung ist der Weg zu den Balcões von Ribeiro Frio jetzt nicht, eher ein kurzer Spaziergang zu einem wirklich schönen Aussichtspunkt.

Man parkt das Auto am besten vor einem der Lokale direkt in Ribeiro Frio. Der Weg startet über ein paar Steinstufen direkt neben dem Restaurant Faisca. Ist aber auch ausgeschildert. Über die Stufen geht zuerst ein Stück bergauf durch ein paar Gärten bis man oben am Waldrand angekommen ist. Von dort aus geht der Weg eben an einem Wasserlauf entlang und führt durch einen wunderschönen verwunschenen Märchenwald. Lange Flechten hängen überall von den Bäumen und ziehen die Feuchtigkeit aus dem Nebel. Der Weg teilt sich noch ein paar mal, die Balcões sind aber immer ausgeschildert. Nach ca. 20 Minuten hat man die Aussichtsplattform erreicht. Bei gutem Wetter hat man von hier einen wahnsinnig tollen Ausblick auf die höchsten Berge Madeiras. Bei schlechtem Wetter kann man mal ne Wolke von Innen sehen... im Dezember hat man halt nicht das allerbeste Bergwetter. Schön war`s aber trotzdem, dafür war ich ganz allein hier oben.


Bild: Levada Nova Wasserfall Madeira
Wasserfall an der Levada Nova

Levada Nova & Levada Moinho im Ribeira da Ponta do Sol

Im Tal hinter Ponta do Sol an der Südküste Madeiras gibt es eine schöne Rundwanderung über zwei Levadas. Man läuft über die Lavada Nova ins Tal hinein und über die tiefer gelegene Levada Moinho wieder zurück... oder halt andersrum, wie man möchte. Und einen Wasserfall gibt es hier natürlich auch.

Der Startpunkt der Wanderung ist die Kirche von Lombada da Ponta do Sol, hier kann man das Auto stehen lassen. Links neben der Kirche gibt es öffentliche Toiletten. Von der Küstenstraße aus fährt man in einem Kreisel zwischen zwei Tunneln Richtung Paul da Serra, die beiden Levadas sind ab hier mit orangen Schilder ausgeschildert. Zur Kirche folgt man den Schildern zur Levada Moinho.

Diese beginnt direkt rechts hinter der Kirche. Ich bin aber die Straße ein Stückchen zurück gelaufen und dem Schild Richtung Levada Nova gefolgt, ich dachte dann hab ich den Aufstieg gleich am Anfang hinter mir. Nach einem guten Stück bergauf zeigt ein weiterer Wegweiser links auf ein paar Häuser. Die Levada Nova beginnt hier recht unscheinbar, da sie mit Steinplatten zugedeckt ist und man erst zwischen den Häusern durch muss. Fast wär ich dran vorbei gelaufen. Nach den Häusern ist der Wasserlauf aber offen und man folgt ihm auf einem guten Weg hinein ins Tal. Nach einer Weile kommt man an einem kleinen Wasserfall vorbei den man früher durchqueren musste da er direkt auf den Weg fiel. Heute führt eine kleine Metallbrücke daran vorbei. Nachdem man einen einfachen und nicht allzu langen Tunnel durchquert hat erreicht man einen tollen Wasserfall der in einer engen Schlucht ins Tal fällt. Der Weg führt hinter dem Wasserfall hindurch. Kurz danach ist der Weiterweg an der Levada Nova gesperrt und eine neu gebaute Treppe führt hinunter zur Lavada Moinho. Unten angekommen kann man der Levada noch ein Stück Flussaufwärts bis zur Quelle folgen. Die Levada Moinho und der dazu gehörige Weg sind jedoch in keinem guten Zustand. Der Pfand ist nur sehr schmal und an vielen Stellen weggebrochen, so dass man auf dem schmalen Levada-Mäuerchen entlang balancieren muss. Die Sicherungsseile fehlen an vielen Stellen, ein riesiger umgestürzter Eucalyptus-Baum versperrt an einer Stelle den Weg und muss kompliziert umklettert werden. Auch diverse Erdrutsche und Steinschläge blockieren den Weg. Aber ich fand ihn trotzdem schön, gerade weil er etwas abenteuerlich ist. Da ich hier immer wieder an Säcken mit Baumaterial vorbei gelaufen bin denke ich da hier wohl bald Reparaturen stattfinden werden.

Für diese Rundwanderung hab ich 2 ½ – 3 Stunden gebraucht, hab aber auch eine kleine Essenspause und einen Foto-Stopp am Wasserfall gemacht.


Weiter lesen...